Kalbe (Milde), Sachsen-Anhalt, Altmarkkreis Salzwedel

Künstlerstadt Kalbe

Mittels Kunst und Kultur die Lebensqualität der Vorort Lebenden erhöhen und mit dem Gründerlabor  Zuzug ermöglichen, Bleibeperspektiven entwickeln und Leerstand beseitigen. Eine Kleinstadt die sich für eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft im ländlichen Raum einsetzt und Start-Ups Raum und Unterstützung bietet.  

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Die Objekte

Inzwischen belebt die Künstlerstadt Kalbe 14 Immobilien mit Kunst und Kultur und weiterführenden Ideen. Drei Häuser, alle in einem dringend sanierungsbedürftigen Zustand, befinden sich davon im Besitz der Künstlerstadt. Die anderen Häuser und Grundstücke werden im Rahmen von Zwischennutzungen verwendet. Diese Räume standen vor dem Wirken der Künstlerstadt leer und waren dem Verfall preisgegeben. Sie befinden sich überwiegend in der historischen Altstadt von Kalbe. Mittlerweile werden zwei Häuser grundhaft saniert, mit den Mitteln vom Land Sachsen-Anhalt, LEADER CLLD, der Denkmalspflege, dem Bund über das Programm LandKULTUR.

Die Lage

Kalbe liegt im Herzen der Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt. Gardelegen liegt 17 km südlich von Kalbe und verfügt über einen Bahnanschluss. Kalbe selbst ist nur durch den Bus zu erreichen. Weitere Bahnhöfe sind im Norden Brunau-Packebusch (14 km) und Hohenwulsch (16 km). Wichtige Anbindungsbahnhöfe sind Stendal (Richtung Berlin) und Salzwedel (Richtung Hamburg).

Der Ort

Kalbe als Kleinstadt mit 2237 Einwohner verfügt über eine noch sehr gute Infrastruktur. Dies resultiert daraus, dass Kalbe einmal Kreisstadt war und deshalb über Schulen, medizinische Versorgung, Supermärkte, eine Vielzahl kleinerer Läden, einer Bibliothek, einem Freibad verfügt. Durch den jährlichen Verlust von 50 Einwohner/Jahr durch den demografischen Wandel ist jedoch die Infrastruktur stark gefährdet. Die Stadt und die 37 kleineren Ortschaften, die zur Einheitsgemeinde Stadt Kalbe (Milde) gehören, zeichnen sich durch ein starkes ehrenamtliches Engagement aus. 52 Vereine beleben die Stadt. Kalbe, im 12. Jahrhundert gegründet, zeigt sich städtebaulich mit historischen Stadtkern und der Burgruine noch in seinen alten Strukturen.

Die Idee

Die Künstlerstadt Kalbe begegnet mit Kunst und Kultur den Folgen des demografischen Wandels. Sie schafft „Fülle in die Hülle!“. Die Region der Altmark leidet mit am stärksten unter den Folgen des demografischen Wandels in Deutschland. Sie wird als „strukturschwach“ gesehen – die Künstlerstadt sieht dagegen den Gestaltungsraum im Luxus der Leere. Die Künstlerstadt Kalbe beseitigt Leerstand, schafft kulturelle Vielfalt, verbessert die Lebensqualität, entwickelt Bleibeperspektiven und ermöglicht Zuzug. Mit verschiedensten Formaten werden die gestalterischen Kräfte eines Jeden geweckt und gefördert, damit diese dann wieder im Sinne des Gemeinwohls in die Gesellschaft einfließen können. Die Künstlerstadt Kalbe versteht sich als soziale Skulptur (Beuys) im ländlichen Raum, die offen ist für alle. Sie fördert zivilgesellschaftliches Engagement und betreibt eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung.

Projektvorstellung

Start 2013 mit Künstler aus aller Welt. Über 400 Stipendiaten besuchten den Internationalen Sommercampus und Wintercampus (insgesamt 80 Tage jedes Jahr) und blieben zwischen 2-4 Wochen. An den 50 Tagen Sommercampus ca. 35 weitere Veranstaltungen: Atelier-Rundgänge, Ideenwerkstätten, Offene Bühnen, Kino, Radwanderungen, Bänkefest. Kulturelle Workshops, Aktionen und Feste und Stammtisch. Inklusion zwischen 2014-2018 der neuen Bürger aus Afghanistan und Syrien durch 6 Deutschkurse, Chor der Nationen, Garten der Nationen, gemeinsam kochen, arbeiten und feiern. Ausstellungsmöglichkeiten: Seit 2014 „Galerie der 100 Brücken“- junge zeitgenössische junge Kunst; für Freizeitkünstler der Altmark Ausstellungsmöglichkeit im Seniorenpflegeheim + Bank. Seit 3/2020 eine weitere Galerie, die die Arbeitsstätte zweier zugezogener Künstler ist und als Kunst- und Kulturraum inmitten der Stadt Kalbe liegt. Kunstlotterie: Künstler (Musik und Literatur + Darstellende Kunst) werden altmarkweit für 5,-€ verlost. Das Beste daran: der Gewinner bestimmt wo das Konzert oder die Lesung stattfinden soll: Wohnzimmer, Wiese, o.a. Effekt:  Neue Kulturorte + Kunst kommt zum Menschen, bis in den letzten Winkel der Altmark hinein. Festivals: Seit 2018: die (((potentiale))) Festival für Improvisierte Musik und ländliche Entwicklung.  BRUCCA! - Festival für Theater, Zirkus und Musik.  Kooperation mit den Niederlanden.  IMPULS-Festival für Neue Musik neuer Austragungsort. 2021 Lichtkunstfestival, zusammen mit 8 Initiativen der Altmark. Gründerlabor: Um gemeinwohlorientierte, kreativwirtschaftliche, sozial innovative Existenzgründungen in Kalbe zu verorten, wurde 2019 ein Gründerlabor gestartet. Potentielle Gründer erhalten hier eine Begleitung in die wirtschaftliche Eigenständigkeit für ihre Ideen.

Die Menschen

Gestartet durch Corinna Köbele, entwickelte sich über die Jahre ein harter Kern von ca. 20 Menschen, die den größten Teil der Arbeit gestalten. Daneben kommen ca. 50 Menschen im erweiterten Kreis hinzu, die für bestimmte Aktivitäten im Jahr der Künstlerstadt sich einbringen.130 Mitglieder aus aller Welt, unterstützen den Verein durch ihre Mitgliedschaft.  19 fach ausgezeichnet und durch viele Preise geehrt, greift die Künstlerstadt auf nationale und internationale Netzwerke und Kooperationen zurück. Mit den verschiedenen Formaten spricht die Künstlerstadt Kalbe eine Vielzahl von Zielgruppen an. Besucher + Gäste kommen aus Kalbe, ebenso wie der Altmark, und aus aller Welt. Gefördert wurde die Künstlerstadt von der Kulturstiftung des Bundes, der Robert Bosch Stiftung, dem Bund, dem Land Sachsen-Anhalt, von europäischen Mitteln u.a.

Zukunft vor Ort

Die Künstlerstadt Kalbe entwickelte ein Konzept für die nächsten 10 Jahre ihrer Arbeit. So wird sie ihre Arbeit ausweiten auf kleinere Ortschaften: Beseitigung von Leerstand, Zuzug von Akademikern, Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für Menschen im zweiten Arbeitsmarkt, kulturelle Impulse für die Region der Altmark, Gründerlabor mit sozial innovativen und gemeinwohlorientierten Vorgehen, Schwerpunkte sind hier die Verstärkung partizipativer Anteile an der Stadtentwicklung, weiterführende Ideen in der Regionalentwicklung, und ein abgestimmtes Vorgehen um Zuzug zu generieren.

Besonderheit

Die Künstlerstadt Kalbe ist in seiner Wirkweise außergewöhnlich. Nicht nur dass sie die verschiedensten Zielgruppen anspricht, sondern auch sehr langfristige Ziele verfolgt. Daneben ist sie sehr weit aufgestellt, d.h. kleinere niedrigschwellige Projekte verwirklicht sie ebenso, wie Festivals oder den Zukunftsrat. Die hohe Variabilität der Formate und ihre internationale Ausrichtung machen sie zu einem Vorbildprojekt für andere Initiativen.

Herausforderungen

Immer mehr Menschen wollen mitwirken an der sozialen Skulptur Künstlerstadt Kalbe. Ihre Ideen benötigen entsprechende Umsetzungsmöglichkeiten, sei es finanziell oder durch personale Unterstützung. Raum ist genügend vorhanden, jedoch muss dieser auch entsprechend vorbereitet werden. Seit 2020 verfügen wir über hauptamtliche Strukturen in der Arbeit. Weitere Formen der Organisation werden künftig entwickelt, um auch bezüglich der finanziellen Situation mehr Eigenständigkeit zu erlangen.

Fakten

Status: eine wachsende soziale Skulptur, die immer weitere Orte erschließt und Menschen begeistert mitzumachen
Zeitplan: Umsetzung der Leitziele in den nächsten 10 Jahren, Sanierung der Gebäude je nach Verfügbarkeit der Fördermittel
Engagement: 130 Mitglieder in aller Welt, ca. 20 Mitglieder im „harten Kern“, der die Hauptarbeit vor Ort ausführt
Grundstücksgröße: 14 Immobilien, teilweise in Zwischennutzung, teilweise im Besitz der Künstlerstadt befindlich
Gebäudetypen: denkmalgeschützte alte Fachwerkhäuser/ Bauernhof, ehemaliges Gericht, unbebaute Flächen, sanierungsbedürftige Häuser
Inhaberin: Künstlerstadt Kalbe + andere private Eigentümer
Infrastruktur: Mit dem Auto, per Zug bis Salzwedel oder Stendal von aus mit dem Bus